Kugellager und Rollenlager: Anwendungen von Motor bis Förderband

Von Filip Krsticevic, Inhaber Kugellager24 · Aktualisiert am 18. Oktober 2026

Kurz erklärt: Welches Lager in eine Maschine gehört, hängt vor allem von Last, Drehzahl und Einbauraum ab. In Elektromotoren, Lüftern und Pumpen sitzen meist Rillenkugellager. Kommen grosse Axialkräfte dazu, werden Schrägkugellager oder Kegelrollenlager eingesetzt. Bei sehr hohen Lasten und Stössen – etwa in Getrieben, Brechern oder schweren Förderanlagen – sind Rollenlager die bessere Wahl. Für Förderbänder und Landmaschinen sind einbaufertige Gehäuselager üblich.

Welches Lager für welche Anwendung: Elektromotor, Pumpe, Getriebe, Achse, Brecher und Förderband

Dieser Artikel zeigt typische Anwendungen von Kugel- und Rollenlagern, wofür sich welche Bauform eignet und wie Sie in wenigen Schritten das passende Lager finden.

Typische Anwendungen nach Maschine

MaschineÜbliche LagerWarum
Elektromotor, Lüfter, VentilatorRillenkugellager 62xx / 63xx, oft 2RS oder ZZ und C3Hohe Drehzahl, ruhiger Lauf, wenig Wartung
Pumpe, KompressorRillenkugellager, Schrägkugellager 72 / 73 oder zweireihig 32 / 33Radiale und axiale Last gleichzeitig
Werkzeugmaschinen-SpindelSpindellager (Schrägkugellager hoher Genauigkeit), teils ZylinderrollenlagerPräzision und Steifigkeit
GetriebeZylinderrollenlager, Kegelrollenlager, RillenkugellagerHohe Radiallast, teils kombinierte Last
Achse, Radnabe, AnhängerKegelrollenlager, paarweiseKombinierte Last, einstellbares Spiel
Brecher, Siebmaschine, TrommelPendelrollenlager 222 / 223Sehr hohe Last, Stösse, Schiefstellung
Förderband, LandmaschineGehäuselager UCP, UCF, UCFLEinbaufertig, gleicht Fluchtfehler aus
Hebel, Kipplager, PleuelNadellager, Nadelhülsen HKHohe Last bei wenig Platz
Führungen, KurvenscheibenLaufrollen, Kurven- und StützrollenAussenring rollt direkt auf der Bahn
Drehteller, HubwerkAxialkugellager 511 / 512Reine Axiallast

Wofür sich welche Bauform eignet

Lagertypen im Vergleich: Radiallast, Axiallast, Drehzahl und Schiefstellung
  • Rillenkugellager: Der Allrounder. Hohe Drehzahl, leiser Lauf, nimmt auch etwas Axiallast auf. Für die meisten Anwendungen die erste Wahl.
  • Schrägkugellager: Für kombinierte Last mit grossem Axialanteil, meist paarweise eingebaut – siehe Schrägkugellager erklärt.
  • Zylinderrollenlager: Sehr hohe Radiallast, gut für Drehzahl. Bauart NU und N erlauben eine axiale Verschiebung (Loslager).
  • Kegelrollenlager: Hohe radiale und axiale Last zugleich, paarweise mit einstellbarem Spiel.
  • Pendelrollenlager: Für schwere Lasten, Stösse und Wellen, die sich durchbiegen oder schief stehen.
  • Nadellager: Hohe Tragfähigkeit bei sehr kleiner Bauhöhe.
  • Pendelkugellager: Gleicht Schiefstellung aus, trägt aber weniger als ein Rillenkugellager gleicher Grösse.

Den grundsätzlichen Unterschied zwischen Punktkontakt (Kugel) und Linienkontakt (Rolle) erklärt der Artikel Kugellager oder Rollenlager?.

Lagerwahl in vier Fragen

Lagerwahl in vier Fragen: Last, Axialkraft, Schiefstellung und Einbauraum
  1. Sehr hohe Last oder Stösse? Dann ein Rollenlager – Zylinder-, Kegel- oder Pendelrollenlager.
  2. Grosse Axialkraft dazu? Dann ein Schrägkugellager oder Kegelrollenlager.
  3. Welle schief oder biegt sich durch? Dann ein Pendelkugel- oder Pendelrollenlager, bei einfachen Lagerungen ein Gehäuselager.
  4. Kaum Platz in der Höhe? Dann ein Nadellager.

Lautet die Antwort überall «nein», ist ein Rillenkugellager fast immer richtig. Bei einem Ersatz gilt ohnehin: Die Bezeichnung auf dem alten Lager ist massgebend – siehe Kugellager-Bezeichnung lesen.

Lager nach Branche

Lager nach Branche: Maschinenbau, Elektromotoren, Fördertechnik, Landwirtschaft, Lebensmittel und Fahrzeuge
  • Maschinenbau und Werkzeugmaschinen: Spindellager, Schräg- und Zylinderrollenlager, oft in höherer Genauigkeit – siehe Präzisionslager.
  • Elektromotoren, Pumpen, Lüfter: Rillenkugellager 62 und 63, häufig mit Lagerluft C3 – siehe Lagerluft C3 oder C4.
  • Fördertechnik und Logistik: Gehäuselager und Laufrollen – siehe Stehlager und Flanschlager.
  • Landwirtschaft und Bau: Gut abgedichtete Lager gegen Staub und Wasser – siehe 2RS oder ZZ.
  • Lebensmittel und Pharma: Lager und Gehäuselager aus Edelstahl, oft mit lebensmitteltauglichem Fett – siehe Edelstahl-Kugellager.
  • Fahrzeuge und Anhänger: Kegelrollenlager und Radlager.

Häufige Fehler bei der Lagerwahl

  • Kugellager bei Stössen: Wo Schläge auftreten, ermüdet ein Kugellager deutlich früher als ein Rollenlager gleicher Grösse.
  • Axialkraft unterschätzt: Ein Rillenkugellager verträgt nur einen Teil seiner Radiallast als Axiallast.
  • Falsche Lagerluft: Bei Wärme oder fester Passung ist C3 nötig – siehe Passungen für Kugellager.
  • Falsche Abdichtung: Offene Lager in staubiger oder nasser Umgebung fallen schnell aus.

Häufige Fragen

Wo werden Kugellager eingesetzt? In fast allen drehenden Maschinen: Elektromotoren, Pumpen, Lüftern, Getrieben, Werkzeugmaschinen, Fahrzeugen, Förderanlagen und Haushaltsgeräten.

Wann ist ein Rollenlager besser als ein Kugellager? Bei sehr hohen Lasten, Stössen und langsam laufenden, schwer belasteten Wellen. Bei hoher Drehzahl und mittlerer Last ist meist das Kugellager besser.

Welches Lager hat ein Elektromotor? Meist zwei Rillenkugellager der Reihen 62 oder 63, oft abgedichtet (2RS oder ZZ) und mit Lagerluft C3.

Welches Lager für ein Förderband? In der Regel Gehäuselager wie Stehlager UCP oder Flanschlager UCF, weil sie einbaufertig sind und kleine Fluchtfehler ausgleichen.

Welche Lager für Lebensmittelmaschinen? Lager aus Edelstahl mit lebensmitteltauglichem Fett, häufig auch Gehäuselager mit Edelstahlgehäuse.

Über den Autor: Filip Krsticevic ist Inhaber von Kugellager24 (ARTI STUDIO Krsticevic) in Widnau SG. Seit 2019 beliefert er Industrie, Werkstätten und Privatkunden in der ganzen Schweiz und in Liechtenstein mit Kugellagern, Rollenlagern, Gehäuselagern und Wellendichtringen. Fragen? info@kugellager24.ch oder WhatsApp-Chat +41 78 208 80 26.