Passungen für Kugellager: Welle und Gehäuse richtig wählen

Von Filip Krsticevic, Inhaber Kugellager24 · Aktualisiert am 18. Oktober 2026

Kurz erklärt: Die Passung beschreibt, wie fest ein Kugellager auf der Welle und im Gehäuse sitzt. Grundregel: Der Ring, der sich gegenüber der Last dreht, braucht einen festen Sitz (Presspassung), der andere einen Sitz mit Spiel oder eine Übergangspassung. Im Normalfall – die Welle dreht, das Gehäuse steht – sitzt der Innenring fest auf der Welle (zum Beispiel k5 oder j6) und der Aussenring mit leichtem Spiel im Gehäuse (zum Beispiel H7). Eine falsche Passung führt zu Wandern der Ringe, Passungsrost oder einem verspannten, heiss laufenden Lager.

Passung beim Kugellager: Innenring fest auf der Welle, Aussenring mit Spiel im Gehäuse

Dieser Artikel erklärt die Grundregel, typische Passungen für Welle und Gehäuse, das Prinzip von Fest- und Loslager und die häufigsten Fehler.

Warum die Passung so wichtig ist

  • Zu lose: Der Ring dreht im Sitz langsam mit («Wandern»). Es entstehen Abrieb, Passungsrost und Riefen auf Welle oder Gehäuse. Das Lager wird laut und fällt früh aus.
  • Zu fest: Der Innenring wird aufgeweitet, der Aussenring zusammengedrückt. Die Lagerluft wird kleiner, das Lager verspannt sich, läuft heiss und das Fett altert schnell.
  • Richtig: Der belastete Ring sitzt fest und kann nicht wandern, der andere lässt Montage und Wärmedehnung zu.

Die Grundregel: Umfangslast und Punktlast

Umfangslast und Punktlast: Bei drehender Welle sitzt der Innenring fest, bei drehendem Gehäuse der Aussenring

Entscheidend ist, wie die Last auf den Ring wirkt:

  • Umfangslast: Der Ring dreht sich, die Last zeigt immer in dieselbe Richtung. Jede Stelle des Rings wird nacheinander belastet. Dieser Ring braucht einen festen Sitz, sonst wandert er.
  • Punktlast: Der Ring steht still, die Last trifft immer dieselbe Stelle. Dieser Ring darf mit Spiel oder einer Übergangspassung sitzen.

Bei den meisten Maschinen dreht die Welle: Der Innenring hat Umfangslast und sitzt fest, der Aussenring hat Punktlast. Bei Laufrollen, Radnaben mit stehender Achse oder Spannrollen dreht dagegen der Aussenring – dann ist es umgekehrt.

Typische Passungen

Typische Passungen für Kugellager: Wellen- und Gehäusetoleranzen für Elektromotor, Getriebe, hohe Last und Laufrolle
AnwendungWelleGehäuse
Elektromotor, Pumpe, Lüfter (normale Last)j6 / k5H7 / J7
Getriebe, mittlere Lastk5 / m5J7 / K7
Hohe Last, Stössem5 / n6K7 / M7
Laufrolle, Aussenring drehtg6 / h6N7 / P7
Gehäuselager UC mit Madenschraubenh7 bis h9–

Die Werte sind Richtwerte für Rillenkugellager mit Vollwelle aus Stahl und Gehäusen aus Stahl oder Grauguss. Bei Hohlwellen, Leichtmetallgehäusen, hohen Temperaturen oder grossen Lagern gelten andere Werte. Massgebend sind der Herstellerkatalog und die Vorgaben der Konstruktion.

Ein Beispiel: Die Bohrung eines 6205 hat das Mass 25 mm mit der Toleranz 0 bis −10 µm. Eine Welle 25 k5 misst 25,002 bis 25,011 mm. Daraus ergibt sich eine Überdeckung von 2 bis 21 µm – der Innenring sitzt fest. Das Gehäuse 52 H7 misst 52,000 bis 52,030 mm, der Aussenring 51,987 bis 52,000 mm. Der Aussenring sitzt also mit 0 bis 43 µm Spiel.

Passung und Lagerluft

Ein fester Sitz verkleinert die Lagerluft, weil der Innenring aufgeweitet wird. Kommen eine stramme Passung und Wärme zusammen, reicht die normale Lagerluft oft nicht mehr. Dann ist ein Lager mit erhöhter Lagerluft C3 die richtige Wahl – siehe Lagerluft C3 oder C4.

Fest- und Loslager

Fest- und Loslagerung: Festlager fixiert die Welle axial, Loslager lässt die Wärmedehnung zu

Eine Welle wird meist an zwei Stellen gelagert. Wird sie warm, dehnt sie sich aus. Damit die Lager dabei nicht verspannt werden, übernimmt nur ein Lager die axiale Führung:

  • Festlager: Beide Ringe sind axial fixiert, etwa mit Sicherungsringen oder Wellenschultern. Es nimmt die Axialkräfte auf.
  • Loslager: Der Ring mit Punktlast – meist der Aussenring – kann im Gehäuse axial gleiten. Er gleicht die Wärmedehnung aus.

Alternativ gibt es Zylinderrollenlager der Bauart NU oder N, bei denen die Verschiebung im Lager selbst stattfindet – siehe Kugellager oder Rollenlager?.

Häufige Fehler

  • Verschlissene Welle: Der alte Innenring hat die Welle eingelaufen. Das neue Lager sitzt dann zu lose. Welle messen und bei Bedarf instand setzen.
  • Kleben statt Passen: Fügeklebstoff kann bei leicht zu losem Sitz helfen, ersetzt aber keine korrekte Passung bei hoher Last.
  • Beide Lager fest: Ohne Loslager wird die Welle bei Erwärmung zwischen den Lagern eingespannt.
  • Falsch montiert: Bei fester Passung muss das Lager über den richtigen Ring eingepresst oder erwärmt werden – siehe Kugellager wechseln.

Häufige Fragen

Welche Passung haben Kugellager? Das Lager selbst hat genormte Toleranzen. Die Passung entsteht erst mit der Toleranz von Welle und Gehäuse. Üblich sind auf der Welle j6 oder k5, im Gehäuse H7 oder J7, wenn die Welle dreht.

Welcher Ring braucht den festen Sitz? Der Ring, der sich gegenüber der Last dreht. Bei drehender Welle ist das der Innenring.

Was bedeutet k5? Ein ISO-Toleranzfeld für Wellen. Bei 25 mm liegt die Welle zwischen +2 und +11 µm über dem Nennmass. Zusammen mit der Lagerbohrung ergibt das einen festen Sitz.

Was passiert, wenn ein Lager zu locker sitzt? Der Ring wandert im Sitz. Es entstehen Abrieb, Passungsrost und Riefen, das Lager wird laut und fällt früh aus.

Was passiert, wenn ein Lager zu fest sitzt? Die Lagerluft wird zu klein, das Lager läuft heiss und verschleisst schnell.

Über den Autor: Filip Krsticevic ist Inhaber von Kugellager24 (ARTI STUDIO Krsticevic) in Widnau SG. Seit 2019 beliefert er Industrie, Werkstätten und Privatkunden in der ganzen Schweiz und in Liechtenstein mit Kugellagern, Rollenlagern, Gehäuselagern und Wellendichtringen. Fragen? info@kugellager24.ch oder WhatsApp-Chat +41 78 208 80 26.