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Blog
Kugellager wechseln: ausbauen und einbauen – Schritt für Schritt
Von Filip Krsticevic, Inhaber Kugellager24 · Aktualisiert am 17. Oktober 2026
Kurz erklärt: Ein Kugellager wird mit einem Abzieher ausgebaut, nicht mit dem Hammer. Dabei greift der Abzieher an dem Ring an, der fest sitzt – auf der Welle am Innenring, im Gehäuse am Aussenring. Beim Einbau gilt dasselbe: Die Kraft geht nur über den Ring, der eingepresst wird, nie über die Kugeln. Erwärmen (bis 120 °C) oder Kühlen im Gefrierschrank (−18 °C) erleichtert den Einbau deutlich.

Diese Anleitung zeigt, welches Werkzeug Sie brauchen, wie Sie ein defektes Lager ohne Schaden an Welle und Gehäuse ausbauen, wie Sie das neue Lager richtig einpressen und wie Wärme und Kälte dabei helfen – mit einem eigenen Abschnitt für Velo und E-Bike.
Wann muss ein Lager gewechselt werden?
Typische Zeichen sind Geräusche, Spiel, rauer Lauf oder ungewöhnliche Wärme. Woran Sie ein defektes Lager sicher erkennen, erklärt der Artikel Kugellager kaputt? Warnzeichen und Ursachen. Bevor Sie ausbauen, notieren Sie die Bezeichnung auf dem Lager oder messen Sie es nach dem Ausbau – siehe Kugellager messen.
Das richtige Werkzeug
| Werkzeug | Wofür |
|---|---|
| Zwei- oder Dreiarm-Abzieher | Lager von der Welle ziehen |
| Innenauszieher mit Gegenstütze oder Gleithammer | Lager aus einer Bohrung oder einem Sackloch ziehen |
| Trennvorrichtung (Messerabzieher) | Lager, die bündig an einer Schulter sitzen und keinen Griffrand bieten |
| Montagehülsen oder Einschlagwerkzeug-Set | Neues Lager gerade und über den richtigen Ring einpressen |
| Induktions-Anwärmgerät oder Heizplatte mit Thermometer | Lager kontrolliert erwärmen |
| Kunststoffhammer, Rostlöser, Schieblehre, sauberer Lappen | Grundausstattung |
Lager ausbauen

- Maschine sichern: Ausschalten, gegen Einschalten sichern, Riemen oder Kupplung lösen.
- Zugänglich machen: Sicherungsringe, Muttern, Distanzhülsen und Dichtungen entfernen. Merken Sie sich die Reihenfolge – ein Foto hilft.
- Rostlöser auftragen: Bei festgerosteten Lagern einige Minuten einwirken lassen.
- Abzieher ansetzen: Die Arme greifen hinter den Ring, der fest sitzt. Sitzt das Lager auf der Welle, ist das der Innenring. Sitzt es im Gehäuse, der Aussenring. Die Spindel liegt mittig auf der Wellenstirn.
- Gleichmässig ziehen: Spindel langsam anziehen, das Lager kommt gerade heraus. Verkantet es, neu ansetzen.
- Altes Lager entsorgen: Ein ausgezogenes Lager wird nicht wieder eingebaut – auch wenn es noch gut aussieht. Beim Ziehen über die Kugeln entstehen Eindrücke in den Laufbahnen.
Lager im Sackloch (zum Beispiel in Motorgehäusen oder Velonaben) ziehen Sie mit einem Innenauszieher: Er wird durch die Bohrung gesteckt, spreizt sich hinter dem Innenring und wird mit Gegenstütze oder Gleithammer herausgezogen.
Welle und Gehäuse prüfen
Bevor das neue Lager eingebaut wird, reinigen Sie die Sitze und prüfen sie auf Riefen, Rost und Verschleiss. Messen Sie die Welle an mehreren Stellen: Ist sie eingelaufen oder unrund, dreht das neue Lager im Sitz mit und fällt früh aus. Kleine Grate entfernen Sie mit feinem Schleifleinen. Ist die Lagerstelle deutlich beschädigt, muss sie instand gesetzt werden.
Neues Lager einbauen

- Lager erst kurz vor dem Einbau auspacken und das Konservierungsöl nicht abwaschen – es schützt vor Rost.
- Sitze leicht einölen, damit das Lager gleichmässig gleitet.
- Kraft über den richtigen Ring: Auf die Welle wird über den Innenring gepresst, ins Gehäuse über den Aussenring. Wird beides gleichzeitig gepresst, drückt eine Montagescheibe auf beide Ringe zugleich.
- Gerade einpressen: Mit Montagehülse und Kunststoffhammer oder mit einer Presse. Nie direkt mit dem Hammer auf das Lager schlagen.
- Bis zur Schulter: Das Lager muss satt an der Wellen- oder Gehäuseschulter anliegen.
- Probelauf: Von Hand drehen – das Lager muss leicht und gleichmässig laufen.
Wärme und Kälte: Lager erwärmen oder in den Gefrierschrank

Stahl dehnt sich bei Wärme aus und zieht sich bei Kälte zusammen. Diesen Effekt nutzen Fachleute, damit das Lager ohne grossen Kraftaufwand auf die Welle oder ins Gehäuse gleitet:
- Lager erwärmen für den Wellensitz: Der Innenring wird grösser und lässt sich auf die Welle schieben. Höchstens 120 °C, bei abgedichteten Lagern (2RS, ZZ) höchstens 80 °C, damit Fett und Dichtungen nicht leiden. Ideal ist ein Induktions-Anwärmgerät, alternativ eine Heizplatte mit Thermometer. Nie mit offener Flamme erwärmen.
- Lager kühlen für den Gehäusesitz: Der Aussenring wird kleiner und gleitet leichter in die Bohrung. Alternativ können Sie das Gehäuse erwärmen.
Wie lange gehört ein Kugellager in den Gefrierschrank? Kleine Lager bis etwa 50 mm Aussendurchmesser sind nach rund einer Stunde bei −18 °C durchgekühlt, grössere Lager nach zwei bis drei Stunden. Über Nacht schadet nicht. Nach dem Herausnehmen sofort einbauen, bevor sich das Lager wieder erwärmt. Bildet sich Kondenswasser, trocknen Sie es ab und ölen das Lager leicht ein, damit es nicht rostet.
Der Effekt ist klein, aber er genügt: Bei einem 6205 wird die Bohrung bei 80 °C Erwärmung um rund 0,02 mm grösser, der Aussendurchmesser bei 40 °C Abkühlung um rund 0,02 mm kleiner. Das entspricht etwa dem Übermass eines üblichen Presssitzes.
Velo und E-Bike: Lager in Nabe, Tretlager und Steuersatz
Moderne Velos haben meist Industrielager (Kartuschenlager) – abgedichtete Rillenkugellager wie 6001 2RS, 6902 2RS oder 61803 2RS. Ältere Naben arbeiten mit losen Kugeln und Konen.
- Industrielager in der Nabe: Rad ausbauen, Achse und Endkappen entfernen, Lager mit einem Innenauszieher oder einem passenden Dorn von der Gegenseite austreiben. Das neue Lager mit einer Einpresshilfe gerade über den Aussenring einpressen.
- Konuslager mit losen Kugeln: Kontermutter und Konus lösen, Achse herausziehen, Kugeln zählen und auffangen. Laufflächen reinigen, neue Kugeln gleicher Grösse in frisches Fett setzen, Konus spielfrei, aber leichtgängig einstellen.
- Tretlager und Steuersatz: Hier gibt es viele Normen (BSA, Pressfit, integriert). Bauen Sie die alten Lager aus und lesen Sie die Bezeichnung ab oder messen Sie sie.
Für Velos empfehlen sich immer 2RS-Lager, weil Wasser und Schmutz die häufigste Ausfallursache sind – mehr dazu im Artikel Offen, ZZ oder 2RS?.
Häufige Fragen
Kann ich ein Kugellager ohne Abzieher ausbauen? Bei kleinen, lose sitzenden Lagern geht es mit einem Dorn und leichten Schlägen auf den festsitzenden Ring. Bei festen Sitzen riskieren Sie ohne Abzieher Schäden an Welle oder Gehäuse.
Darf ich ein ausgebautes Lager wiederverwenden? Nein, wenn es über die Kugeln abgezogen wurde. Nur Lager, die über den festen Ring schonend ausgebaut wurden und einwandfrei laufen, können wieder eingebaut werden.
Wie lange muss ein Lager in den Gefrierschrank? Kleine Lager etwa eine Stunde, grössere zwei bis drei Stunden bei −18 °C. Danach sofort einbauen.
Wie heiss darf ich ein Kugellager machen? Offene Lager höchstens 120 °C, abgedichtete Lager höchstens 80 °C. Nie mit offener Flamme.
Muss ich beide Lager einer Welle wechseln? Empfehlenswert. Das zweite Lager hat meist gleich lange gelaufen und fällt oft kurz danach aus.
Wo bekomme ich das passende Ersatzlager? Kugellager24 führt rund 3’800 Lagertypen ab Lager in Widnau (SG) und liefert in 1–3 Werktagen in die ganze Schweiz und nach Liechtenstein. Senden Sie uns bei Unsicherheit die Masse und ein Foto an info@kugellager24.ch.
Über den Autor: Filip Krsticevic ist Inhaber von Kugellager24 (ARTI STUDIO Krsticevic) in Widnau SG. Seit 2019 beliefert er Industrie, Werkstätten und Privatkunden in der ganzen Schweiz und in Liechtenstein mit Kugellagern, Rollenlagern, Gehäuselagern und Wellendichtringen. Fragen? info@kugellager24.ch oder WhatsApp-Chat +41 78 208 80 26.




