Was ist ein Kugellager? Aufbau, Funktion und Arten

Von Filip Krsticevic, Inhaber Kugellager24 · Aktualisiert am 18. Oktober 2026

Kurz erklärt: Ein Kugellager ist ein Maschinenelement, das eine drehende Welle in einem Gehäuse lagert und dabei die Reibung stark verringert. Es besteht aus vier Teilen: Innenring, Aussenring, Kugeln und Käfig. Statt dass Welle und Gehäuse aneinander gleiten, rollen die Kugeln zwischen den Ringen ab. Kugellager stecken in fast allem, was sich dreht – vom Velo über Elektromotoren und Pumpen bis zu Landmaschinen.

Aufbau eines Kugellagers: Aussenring, Innenring, Kugeln und Käfig

Dieser Artikel erklärt, wie ein Kugellager aufgebaut ist und funktioniert, welche Kräfte es aufnimmt, welche Arten es gibt und wie die Kugeln bei der Herstellung überhaupt ins Lager kommen.

Aufbau: Die vier Teile eines Kugellagers

  • Innenring: Sitzt fest auf der Welle und dreht sich meist mit ihr. Auf seiner Aussenseite liegt die Laufbahn für die Kugeln.
  • Aussenring: Sitzt im Gehäuse und steht meist still. Seine Laufbahn liegt innen.
  • Kugeln: Die Wälzkörper rollen zwischen den beiden Laufbahnen. Sie sind aus gehärtetem Wälzlagerstahl (meist 100Cr6) und auf Tausendstelmillimeter genau rund.
  • Käfig: Hält die Kugeln auf gleichem Abstand, damit sie sich nicht berühren. Er besteht aus Stahlblech, Messing oder Kunststoff (Polyamid).

Viele Kugellager haben zusätzlich Deckscheiben (ZZ) oder Dichtungen (2RS), die das Fett im Lager halten und Schmutz fernhalten – siehe Offen, ZZ oder 2RS?.

Funktion: Rollen statt Gleiten

Gleitreibung und Rollreibung im Vergleich: Kugeln rollen statt zu gleiten

Ohne Lager würde sich eine Welle direkt in einer Bohrung drehen. Die Flächen gleiten aufeinander, es entstehen Reibung, Wärme und Verschleiss. Im Kugellager rollen die Kugeln dagegen ab – und Rollreibung ist um ein Vielfaches kleiner als Gleitreibung. Deshalb dreht sich eine gelagerte Welle leicht, leise und mit wenig Energieverlust, auch bei hohen Drehzahlen.

Welche Kräfte nimmt ein Kugellager auf?

Radialkraft quer zur Welle und Axialkraft in Achsrichtung am Kugellager
  • Radialkräfte wirken quer zur Welle, zum Beispiel durch das Gewicht eines Rades oder den Zug eines Riemens.
  • Axialkräfte wirken in Richtung der Welle, zum Beispiel durch Schub oder Druck.

Ein Rillenkugellager nimmt beide Kräfte auf, radial jedoch deutlich mehr als axial. Für grosse Axialkräfte gibt es Schrägkugellager oder Axialkugellager, für sehr hohe Radiallasten Rollenlager – siehe Kugellager oder Rollenlager?.

Die wichtigsten Arten von Kugellagern

ArtEigenschaftBeispiel
Rillenkugellagerdie häufigste Bauart, radial und axial belastbar6205 2RS
Schrägkugellagerfür höhere Axialkräfte in einer Richtung7205 B
Pendelkugellagergleicht Schiefstellungen der Welle aus1205
Axialkugellagernur für Kräfte in Achsrichtung51105
Miniaturlagerkleine Bohrungen ab etwa 1 mm, z. B. für Modellbau und Geräte608
GehäuselagerLagereinsatz in einem Steh- oder Flanschgehäuse, einbaufertigUCP 205

Was die Ziffern und Buchstaben in einer Bezeichnung wie 6205 2RS C3 bedeuten, erklärt der Artikel Kugellager-Bezeichnung verstehen.

Wo werden Kugellager eingesetzt?

  • Haushalt und Freizeit: Velo, E-Bike, Skateboard, Inline-Skates, Waschmaschine, Staubsauger, Rasenmäher
  • Werkstatt: Bohrmaschinen, Fräsen, Kreissägen, Kompressoren
  • Industrie: Elektromotoren, Pumpen, Ventilatoren, Getriebe, Förderanlagen
  • Landwirtschaft: Mähwerke, Sämaschinen, Zapfwellen, Anhängerachsen
  • Fahrzeuge: Radlager, Lichtmaschinen, Wasserpumpen, Spannrollen

Wie kommen die Kugeln ins Kugellager?

Die Ringe eines Rillenkugellagers sind aus einem Stück und haben auf beiden Seiten Schultern. Trotzdem lassen sich die Kugeln einsetzen – mit einem einfachen Trick, der in der Fertigung automatisiert abläuft:

Wie die Kugeln ins Kugellager kommen: Innenring versetzen, Kugeln einfüllen, zentrieren, Käfig einsetzen
  1. Innenring versetzen: Der Innenring wird seitlich im Aussenring verschoben. Auf einer Seite entsteht ein sichelförmiger Spalt.
  2. Kugeln einfüllen: In diesen Spalt passen so viele Kugeln, wie die Sichel Platz bietet – bei einem Rillenkugellager etwa die Hälfte des Umfangs.
  3. Zentrieren und verteilen: Der Innenring wird in die Mitte geschoben, die Ringe sind wieder konzentrisch. Die Kugeln werden gleichmässig im Kreis verteilt.
  4. Käfig einsetzen: Ein Käfig aus zwei Blechhälften wird von beiden Seiten eingesetzt und vernietet, ein Kunststoffkäfig wird von einer Seite eingeschnappt.

Weil nur so viele Kugeln hineinpassen, wie der Spalt erlaubt, ist die Kugelzahl eines Rillenkugellagers begrenzt. Für höhere Tragzahlen gibt es Bauformen mit Füllnut oder vollkugelige Lager ohne Käfig – sie tragen mehr, sind aber für niedrigere Drehzahlen gedacht.

Wie lange hält ein Kugellager?

Ein richtig ausgewähltes, sauber montiertes und gut abgedichtetes Kugellager hält oft viele tausend Betriebsstunden. Die rechnerische Lebensdauer hängt vor allem von der Belastung ab. Ausfälle haben meist andere Gründe: fehlende Schmierung, eindringender Schmutz oder Wasser und Montagefehler. Mehr dazu in den Artikeln Kugellager kaputt? und Kugellager schmieren und warten.

Häufige Fragen

Was ist ein Kugellager einfach erklärt? Ein Bauteil, das eine drehende Welle hält und dafür sorgt, dass sie sich leicht dreht. Statt zu reiben, rollen kleine Stahlkugeln zwischen einem inneren und einem äusseren Ring.

Woraus besteht ein Kugellager? Aus Innenring, Aussenring, Kugeln und Käfig, oft ergänzt durch Deckscheiben oder Dichtungen und eine Fettfüllung.

Was ist der Unterschied zwischen Kugellager und Wälzlager? Wälzlager ist der Oberbegriff für alle Lager mit rollenden Teilen. Kugellager haben Kugeln, Rollenlager haben Zylinder-, Kegel-, Tonnen- oder Nadelrollen.

Wie kommen die Kugeln ins Kugellager? Der Innenring wird seitlich versetzt, die Kugeln werden in den entstandenen Spalt gefüllt, dann wird der Ring zentriert, die Kugeln verteilt und der Käfig eingesetzt.

Was ist das häufigste Kugellager? Das einreihige Rillenkugellager, zum Beispiel aus den Reihen 60, 62 und 63. Ein Klassiker ist das 6205 mit 25 × 52 × 15 mm.

Wo kaufe ich Kugellager in der Schweiz? Kugellager24 führt rund 3’800 Lagertypen ab Lager in Widnau (SG) – siehe Kugellager kaufen in der Schweiz.

Über den Autor: Filip Krsticevic ist Inhaber von Kugellager24 (ARTI STUDIO Krsticevic) in Widnau SG. Seit 2019 beliefert er Industrie, Werkstätten und Privatkunden in der ganzen Schweiz und in Liechtenstein mit Kugellagern, Rollenlagern, Gehäuselagern und Wellendichtringen. Fragen? info@kugellager24.ch oder WhatsApp-Chat +41 78 208 80 26.