Wellendichtringe: Bauformen, Material und Grösse bestimmen

Von Filip Krsticevic, Inhaber Kugellager24 · Aktualisiert am 18. Oktober 2026

Kurz erklärt: Ein Wellendichtring – auch Radialwellendichtring, Simmerring oder WDR genannt – dichtet eine drehende Welle gegenüber dem Gehäuse ab. Er hält Öl oder Fett im Inneren und Schmutz und Wasser draussen. Die Bezeichnung nennt drei Masse und die Bauform: 25x40x7 BA bedeutet Welle 25 mm, Gehäusebohrung 40 mm, Breite 7 mm, Bauform BA mit Gummimantel. Standardmaterial ist NBR für Öle und Fette bis etwa 100 °C. Für höhere Temperaturen gibt es FKM (Viton).

Aufbau eines Wellendichtrings: Aussenmantel, Metallversteifung, Feder, Dichtlippe und Staublippe

Dieser Artikel erklärt den Aufbau, die wichtigsten Bauformen und Materialien, wie Sie die Grösse bestimmen und worauf Sie beim Einbau achten müssen.

Aufbau eines Wellendichtrings

  • Aussenmantel: Sitzt fest in der Gehäusebohrung. Er ist entweder aus Gummi (gummiert) oder aus blankem Metall.
  • Metallversteifung: Ein eingearbeiteter Stahlring gibt dem Dichtring Form und Halt.
  • Dichtlippe: Liegt auf der Welle an und dichtet ab. Sie zeigt zum Medium, also zum Öl oder Fett.
  • Feder: Eine Zugfeder drückt die Dichtlippe gleichmässig auf die Welle und gleicht Verschleiss aus.
  • Staublippe (optional): Eine zweite Lippe ohne Feder auf der Aussenseite hält Staub und Spritzwasser ab.

Bauformen: B1, BA, BASL und V-Ring

Bauformen von Wellendichtringen: B1 mit Metallmantel, BA mit Gummimantel, BASL mit Staublippe und V-Ring VA
BauformAufbauEinsatz
B1Metallmantel, Dichtlippe mit Federfester Sitz in genau gefertigten Bohrungen, grosse Durchmesser
BAGummimantel, Dichtlippe mit Federdie Standardausführung; der Gummimantel dichtet auch in rauen oder geteilten Gehäusen
BASLGummimantel, Dichtlippe mit Feder und Staublippestaubige und feuchte Umgebung, Landmaschinen, Aussenbereich
VA (V-Ring)Gummiring, der auf der Welle sitzt und axial gegen eine Fläche dichtetVorabdichtung vor Lagern und Wellendichtringen, Schutz vor Schmutz und Spritzwasser

Die Bauformen B1, BA und BASL sind in den Abmessungen nach DIN 3760 bzw. ISO 6194 genormt. Bei gleichen Massen sind Dichtringe verschiedener Hersteller austauschbar, auch wenn diese teilweise andere Bauformkürzel verwenden.

Welches Material?

Materialien für Wellendichtringe: NBR, FKM Viton, EPDM und PTFE mit Temperaturbereich
  • NBR (Nitrilkautschuk): Das Standardmaterial. Beständig gegen Mineralöle, Fette und Wasser, etwa von −30 bis +100 °C. Unsere Wellendichtringe sind in der Regel aus NBR.
  • FKM (Viton): Für hohe Temperaturen bis etwa +200 °C und viele Chemikalien. Typisch für heisse Motoren und Getriebe.
  • EPDM: Für Wasser, Dampf und Bremsflüssigkeit, aber nicht für Mineralöle.
  • PTFE: Für aggressive Medien und Spezialanwendungen.

Die Werte sind Richtwerte. Bei hohen Drehzahlen erwärmt sich die Dichtlippe zusätzlich, das Material muss also etwas Reserve haben.

Grösse bestimmen

Bezeichnung eines Wellendichtrings lesen: 25x40x7 BA bedeutet Welle 25 mm, Bohrung 40 mm, Breite 7 mm, Bauform BA

Die Bezeichnung besteht aus drei Massen in Millimetern und der Bauform:

  • Erstes Mass = Wellendurchmesser (Innendurchmesser des Dichtrings)
  • Zweites Mass = Gehäusebohrung (Aussendurchmesser des Dichtrings)
  • Drittes Mass = Breite

Ist der alte Dichtring nicht mehr lesbar, messen Sie die Welle und die Gehäusebohrung, nicht den verschlissenen Dichtring. Die Breite können Sie am alten Ring messen. Wie Sie mit der Schieblehre richtig messen, erklärt der Artikel Kugellager messen – das Vorgehen ist dasselbe. Für Zollwellen gibt es zöllige Dichtringe mit krummen Millimeterwerten.

Einbau: So hält der Dichtring dicht

  1. Richtung beachten: Die Dichtlippe mit der Feder zeigt zum Medium, also nach innen zum Öl oder Fett. Die Staublippe zeigt nach aussen.
  2. Welle prüfen: Die Lauffläche muss glatt, ohne Riefen und ohne Drall geschliffen sein. Eine eingelaufene Rille vom alten Ring kann den neuen undicht machen – dann den Ring leicht versetzt einbauen oder eine Reparaturhülse verwenden.
  3. Einfetten: Dichtlippe und Welle leicht einfetten oder einölen, damit die Lippe beim Anlauf nicht trocken läuft.
  4. Kanten schützen: Über Passfedernuten, Gewinde oder scharfe Kanten eine Montagehülse oder Folie schieben, damit die Lippe nicht beschädigt wird.
  5. Gerade einpressen: Mit einem passenden Dorn oder einer Platte gleichmässig über den ganzen Umfang einpressen. Nie schräg einschlagen.

Wellendichtringe und Lager werden oft zusammen gewechselt. Wie Sie das Lager ausbauen und einbauen, zeigt der Artikel Kugellager wechseln.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Simmerring und Wellendichtring? Keiner. «Simmerring» ist ein Markenname von Freudenberg, der sich als allgemeine Bezeichnung für Radialwellendichtringe eingebürgert hat.

Was bedeutet 25x40x7? Wellendurchmesser 25 mm, Gehäusebohrung 40 mm, Breite 7 mm.

In welche Richtung wird ein Wellendichtring eingebaut? Die Seite mit der Feder zeigt zum Medium, also nach innen zum Öl oder Fett.

Was ist der Unterschied zwischen BA und BASL? BASL hat zusätzlich eine Staublippe auf der Aussenseite und ist für staubige und feuchte Umgebungen gedacht.

Warum wird mein neuer Dichtring undicht? Häufige Ursachen sind eine eingelaufene Welle, falsche Einbaurichtung, eine beim Einbau beschädigte Lippe oder ein schief eingepresster Ring.

Wo kaufe ich Wellendichtringe in der Schweiz? Kugellager24 führt rund 800 Wellendichtringe der Bauformen B1, BA und BASL sowie V-Ringe ab Lager in Widnau (SG). Versand in 1–3 Werktagen.

Über den Autor: Filip Krsticevic ist Inhaber von Kugellager24 (ARTI STUDIO Krsticevic) in Widnau SG. Seit 2019 beliefert er Industrie, Werkstätten und Privatkunden in der ganzen Schweiz und in Liechtenstein mit Kugellagern, Rollenlagern, Gehäuselagern und Wellendichtringen. Fragen? info@kugellager24.ch oder WhatsApp-Chat +41 78 208 80 26.